Die Chronik des Vereins

Rückblick auf die 125-jährige Geschichte des Homöopathischen Vereins in Winterbach

Im „Corona-Jahr“ 2020 jährte sich die Gründung des Homöopathischen Vereins in Winterbach zum 125sten Mal.

 

 Die Anfänge in Winterbach

 Die Zeit zwischen 1790 und 1796 ist die Zeit, in der der Arzt Samuel Hahnemann seine Ideen und Beobachtungen niederschrieb. Er ist mit den Behandlungsmethoden seiner Kollegen nicht einverstanden. Aderlass, Abführen oder Brechreiz erregen sind für ihn Methoden mit denen die Menschen sehr selten genesen. Er sucht nach anderen Hilfen für seine wie er sagt: „leidenden Brüder“. Durch intensive Beobachtung der Wirkweise von Pflanzen und Mineralien auf den Menschen und den durch sie hervorgerufenen Symptomen entwickelt er seine Lehre.

 

Hahnemanns Lehre findet schnell viele Schüler und Anhänger auch im Ausland – heute kann man sagen, die Homöopathie ist weltweit verbreitet. (Trotz bisher unzureichender wissenschaftlicher Beweise ihres Wirkmechanismus ist ihre therapeutische Wirksamkeit mittlerweile auch von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt).

 

So studierten immer mehr Ärzte die Heilweise und die Anwendung homöopathischer Arzneimittel. Zwischen 1833 und 1846 wirkte z.B. der Schorndorfer Arzt David Steinestel erfolgreich in Stuttgart und Schorndorf – er hatte sicher auch Patienten aus Winterbach.

Doch einen Arzt aufzusuchen war in dieser Zeit nicht für jeden Geldbeutel möglich.

  

 

  

Das Umfeld der Gründungsjahre

1895 veröffentlichte August Bebel seine Schrift:“ die Sozialdemokratie und das allgemeine Wahlrecht“, Sigmund Freud brachte seine „Studien über Hysterie“ heraus und begründete damit die Psychoanalyse, es gab die erste Filmvorführung im „Wintergarten Berlin“, Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte die nach ihm benannten Strahlen und erhielt dafür 1901 den ersten Nobelpreis für Physik.

 

 Glatte weite, lange Röcke, halblange Puffärmel sowie Schärpen sind der Trend der Frauenmode. In Wien wird der Arbeiter Tourismusverein „Naturfreunde“ gegründet und Deutschland überholt Großbritannien in der Industrieproduktion.

 

Doch wie sah es in Winterbach aus? Das Dorf war vor allem durch die wenig erträgliche Kleinwirtschaft geprägt, wir kennen alle das württembergische Erbrecht! Viele Einwohner sind ausgewandert, weil sie hier kein Fortkommen mehr sahen und die Hiergebliebenen konnten sich nicht ohne weiteres eine medizinische Betreuung leisten. Auf dem Land gab es noch keine Krankenkasse. Diese wurden erst durch Reichskanzler Otto von Bismarck 1883 gegründet. Von diesem Zeitpunkt an waren Industriearbeiter und Beschäftigte in Handwerks- und Gewerbebetrieben, das waren ca.10 % der Bevölkerung, krankenversichert, nicht jedoch Personen, die in der Landwirtschaft tätig waren.

 

 

Der Homöopathische Verein Winterbach entstand

So half man sich in Winterbach selbst mit der Gründung eines Vereins (einer von ca. 400 in dieser Zeit gegründeten Vereinen mit Zentren vornehmlich in Württemberg und Sachsen), der die kostengünstige und von Laien anwendbare Heilmethode der Homöopathie und der Naturheilkunde verbreitete.

 

Der erste Vorsitzende, August Wöhrle, hatte in seinem „Apothekerschrank“ stets einen Vorrat selbstgesammelter Heilkräuter und einige homöopathische Arzneimittel. Eine Apotheke gab es in Winterbach erst im Jahr 1951 (!). Auch in den Bauerngärten wurden Heilpflanzen wie Ringelblume, Kamille Schafgarbe oder Kapuzinerkresse angebaut. So half man sich ohne ärztliche und apothekerliche Versorgung bei den kleinen Beschwernissen des Alltags oder behandelte leichte Kinderkrankheiten.

 

1927 wurde eine Frauengruppe gegründet, die das Thema Fürsorge für die Familie von vielen Seiten beleuchtete und einen Erfahrungsaustausch ermöglichte. Im Juli 1930 konnte in der Höffenklinge das mit viel Eigenarbeit erbaute kleine Vereinsheim eingeweiht werden. 

 

Samuel Hahnemann war ein großer Hygieniker und schon zu seiner Zeit propagierte er den Aufenthalt an Licht und Luft, um die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken. Dieses Postulat führte der Homöopathische Verein aus, in dem er neben dem Vereinsheim - mit Unterstützung von Gönnern -  einen rund 50 Ar großen Garten erwarb und ihn als Licht- und Luftbad ausbaute. Das Vereinshäusle mit herrlicher Aussicht ins Remstal steht heute noch, droht aber leider zu verfallen.

 

 

Der Verein im „Dritten Reich“

Im Zuge der Gleichschaltung der Vereine im Jahre 1933 erfuhren der Verein und das Freizeitheim eine harte Zäsur. Die Mitgliederzahl, die bis dahin angewachsen war, ging laufend zurück. Im Jahr 1943 endet das Mitgliederbuch und das Grundstück mit dem „Homöopathen Häusle“ musste verkauft werden.

 

Erst 1952 wurde beschlossen, der Verein soll als eingetragener Verein weiterbestehen. Das Vereinsprogramm umfasste medizinische Vorträge, mehrere botanische Wanderungen, einen Ausflug mit dem Omnibus. Das Interesse daran war groß, die Mitgliederzahlen stiegen auf 55 Mitglieder im Jahr 1960 an.

 

Doch danach ging das Interesse an den Veranstaltungen zurück. Antibiotika, Cortisongaben und andere stark wirksame Arzneimittel drängten auf den Markt. 1969 wurde der homöopathische Verein Schorndorf aufgelöst. Seine Mitglieder traten entweder in den Winterbacher Verein oder in den Kneipp Verein ein.

 

 

Aus der jüngeren Geschichte

1982 übernahmen Ernst Eberle, 1990 Ilse Schüle und 2016 Carmen Feistritzer die Leitung unseres Vereins. Sie gestalteten ein vielfältiges, umfangreiches Programm. So konnten sie u.a. die Winterbacher Ärzte zu Vorträgen gewinnen, es gab Kochkurse zur Vollwerternährung, es wurden Kräuterwanderungen durchgeführt. Später folgten Fastenwochen mit vorangestellten Referaten über:“ Abnehmen, Entgiften und Heilen durch Fasten.“ In Zusammenarbeit mit der Lehenbachschule wurden die Kurse: „Gesundes Pausenbrot“ veranstaltet. Für über 500 Schüler wurde zum Abschluss ein Vollwertfrühstück angeboten.

 

Außerdem existiert noch heute der vor etwa 30 Jahren ins Leben gerufenen Gymnastikkurs für Senioren und erfreut sich noch immer großer Beliebtheit.

 

In diese Zeit fällt eine weitere umfangreiche Aktivität. Das ist die Planung, Gestaltung und Anlage des Heilkräutergartens, der 1989 eröffnet wurde. Er ist unser Kleinod, das uns auch in Zeiten der Pandemie ein Zusammenkommen ermöglichte und für alle Besucher, vor allem die des Pflegeheims, ein Wohlfühlort ist.

 

 

 

Wir sehen unsere Aufgabe Mensch und Tier in ganzheitlicher Weise zu betrachten und ihre Gesundheit zu unterstützen. Mit unseren Aktivitäten informieren wir über eine gesunde, naturbelassene Ernährung, wir bieten Bewegung verschiedenster Art und Weise an und wir fördern die spezielle Arzneikunde zur Homöopathie und Naturheilkunde. Wir suchen nach Wegen Sie – die Interessierten an diesen Themen – anzusprechen und ihre Fragen zu beantworten.