Sommerlied 

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,

 

Die Tage der Sommersonnenwende sind gekommen, die Mittsommerzeit. Der Höhepunkt des Lichtjahres, führt uns nach draußen

in die Natur und öffnet uns unsere Sinne, wie es Paul Gerhard in seinem Lied beschreibt.

 

Seit jeher gelten sie als mystische Tage, die in vielen alten Kulturen mit großen Sonnwendfesten  und lodernden Feuern gefeiert wurden.

Um Glück in der Liebe zu haben, sprangen  Liebespaare gemeinsam über das Feuer.  Andere gürteten sich mit Sonnwendkräutern und  verbrannten diese dann, um damit symbolisch ihre  Krankheiten los zu werden

 

Die Verehrung der Sonne und des wiederkehrenden Lichtes geht auf Traditionen bis in  prähistorische Zeit zurück. Die Sonne hat essentielle Bedeutung für das irdische Überleben. Das hilfreiche Sonnen Feuer, galt von jeher als heilbringend und reinigend, das  Böse vernichtend. 

 

Das christliche Abendland verbindet den 24. Juni mit  Johannes dem Täufer,  der als besonders machtvoller Heiliger galt. Er trat mit flammenden Reden unter die Menschen und wollte sie »befeuern«: damit sie ihren Sinn änderten und umkehrten. Wäre das nicht auch für unsere heutige Zeit angebracht ?

 

Der Johannistag war der "Tag der Heilkräfte", an man die "Johanniskräuter"   Marguerite, Arnika, Bärlapp, Beifuß, Eisenkraut, Kamille, Klette, Königskerze , Quendel, Ringelblume und natürlich das Johanniskraut selbst,  für die Hausapotheke sammelte 

 

Im Heilkräutergarten blühen jetzt gelbes Johanniskraut und blauer Lavendel,  und machen mit ihren Farben der Sonne und dem Himmel Konkurrenz.  

 

Kein Heilkraut  wurde wissenschaftlich so genau und gründlich untersucht wie das Johanniskraut.
Die Pflanze wirkt krampflösend, antidepressiv, entspannend und beruhigend und kann so vielfältig für Leib und Seele in Form von Öl, Tee oder Medizin eingesetzt werden. Zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, so tritt blutroter Saft aus, der Legende nach stand die Pflanze unter dem Kreuz Christi und jede Blüte fing einen Tropfen seines Blutes auf.

 

 

Lavendel ist nicht nur als Heilpflanze, für sein gutes Aussehen und seinen wohligen Duft bekannt, sondern auch als Mittel zur Entspannung. Wegen seiner wohltuenden und heilenden Wirkung für den Körper und den Geist ist er seit Jahren im Kosmetik- und Gesundheitsbereich beliebt und deshalb in vielen Wellness-Produkten zu finden.

Ebenso dient er als Insektenabwehrmittel sowohl im Haus als auch im Garten, als natürliche Abwehr gegen Schädlinge jeder Art.

 

Und zum Schluss noch einige Bauernregeln für Johanni:

Ist die Milchstraße klar zu seh’n, bleibt das Wetter schön.

Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen.
Bis Johannes wird gepflanzt, das Datum du dir merken kannst. 
Regnet's am Johannistag, regnet es noch vierzehn Tag.
Johanni trocken und warm, macht den Bauern nicht arm.

 

Vielleicht erfüllen sich einige dieser positiven Bauernregeln, und helfen so dem Land, den Bauern und den  Gärtnern.

 

 

 

Anne Karsten


 

Im Heilkräutergarten ist inzwischen auch der Sommer eingekehrt. Viele Blumen und  Kräuter blühen und duften schon um die Wette, und laden Sie ganz herzlich zu einem Besuch ein.

 

 

Jeden Tag, der Garten ist normalerweise immer offen,  kann man sich dort aufs  Neue in das Geheimnis der Natur einfühlen,  wie Khalil Gibran ( 1833 - 1931 ) es so  wunderbar beschrieb :

 

 

 

Die Stimmen der Natur 

 

Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes
oder sprechen sie mit den Bäumen,
oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen,
was das Bächlein murmelt?
Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen,
was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt
oder was die Wellen flüstern,
wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.

Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen,
was der Regen spricht,
wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.
Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.

Aber das Herz des Menschen ist imstande,
die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.
Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.
Seele und Natur unterhalten sich miteinander,
während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt.
Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?
Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?

 


Mit folgenden Worten wurde bei der Hauptversammlung des Vereines der neue Heilkräutergarten den Mitgliedern und Freunden vorgestellt.

 

Hildegard von Bingen  (1098 – 1179) schrieb

"In der gesamten Schöpfung sind geheime Heilkräfte verborgen"  

Um diese Heilkräfte in den Pflanzen  zu zeigen, wurde im Jahr 1989 mit viel Begeisterung und Schwung  der erste Garten mit ca. 5 Ar Grundfläche, angelegt um :

 

„ ….die uns anvertraute Schöpfung zu erhalten, das alte Wissen über diese Heilkräfte den Menschen hier in Winterbach wieder nahe zu bringen, sie zu einer gesunden Lebensweise zu ermuntern, und durch seine Anlage, seinen Pflanzen, Blüten und Düften eine beglückende und bezaubernde Erholungsstätte für die Bürger zu bieten....„

so die Beschreibung des damaligen Initiators Prof. Dr. Herbert Uetz

 

Mit derselben Begeisterung wurde nun im Jahr 2018 der neue Garten gestaltet und unter ein Motto gestellt, das Johanna Uetz bei der Eröffnung des alten Gartens am 25. Juni 1989 so beschrieb

 

 

Denn was do gschaffa isch von Gmeind ond vom Verei

soll stets zum Best für alle - ond a lange Zeit au sei

Drum heget, pfleget wer au geht dorei

und gucket, passet auf, dass drenn koi Ofug sei

denn was do gschaffa gwiss und wohr

isch net bloss für uns - au für spätra Johr

dromm helfet, helft, dass ons des bleibt an Gottes Gaben

was wir an heilkräftiger Hilfe in der Natur viel haben

 

 

Umgestaltung des Heilkräutergartens

 

Schauen Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang vorbei an unserem fast schon fertig gestellten neuen Heilkäutergarten!

Viele Heilpflanzen haben schon wieder ihre Heimat gefunden in den neu angelegten und vorläufig gekennzeichneten Beeten.

Wahrscheinlich schon nächste Woche wird die Hainbuchen Hecke rings um den Garten angelegt, und der Platz für die neuen Hütten gepflastert, die dann im Juni aufgebaut werden. Daher sind wir nun sicher, dass wir Ihnen am Brunnenfest wieder eine interessante Führung bieten können, wir wussten ja von Anfang an nicht, ob der Zeitplan wirklich klappen wird.

 



Zur Entstehung des Heilkräutergartens

 

Aus der Mitte der Vorstandschaft kam 1986 die Idee Heilkräuter, die natürlichen Heilmittel seit Jahrhunderten – in einem Heilkräutergarten anzupflanzen. Heilkräuter haben eine alte Tradition, die sich bis in Mitteleuropa zurückverfolgen lässt, bis in die mittelalterlichen Klöster. Diese gesammelten Erfahrungen wurden in Bauerngärten übernommen.

 

Im Pflegeheimpark wurde der Kräutergarten mit Zustimmung des Bürgermeisters und des Gemeinderates realisiert. 1988/89 wurde der Garten angelegt in der Ahnlehnung an alte Klostergärten mit Wegekreuz (das früher vor finsteren Mächten schützen sollte), einem Brunnen in der Mitte gestaltet, sowie in barocker Form die Beete mit niederer Buchsbaumhecke eingerahmt. Bänke an den Wegen laden zum Verweilen ein, an Kompostlege und Geschirrhütte wurde auch gedacht. Umgrenzt wird der Garten durch eine frei wachsende Hecke mit verschiedenen Sträuchern, die Bienen, Hummeln und anderen Insekten Nahrung liefern. Hauptsächlich einheimische Pflanzen, die in der Volksheilkunde gebräuchlich waren oder noch sind, wurden in den Garten eingebracht.

 

Das Eingepflanzte ist in Anwendungsgruppen, wie Herz und Kreislauf, Nieren und Blasen, Nerven und Beruhigung, Gewürze und Hauterkrankungen, Husten und Erkältung Magen und Darm, Leber und Galle gegliedert. So können die Heilpflanzen den einzelnen Beschwerden gut zugeordnet werden. Einige Pflanzen sind zur Behandlung mehrer Krankheiten geeignet.

 

Im Sommer werden etliche Pflanzen schonend getrocknet, am Weihnachtsmarkt als Tee, Salbe oder Tinktur für einen geringen Betrag abgegeben. Hauptsächlich einheimische Pflanzen, die in der Volksheilkunde gebräuchlich sind, wurden in den Garten eingebracht.

 

In fachkundigen Führungen werden dem interessierten Publikum die einzelnen Pflanzen und deren Wirkungen auf die Organe erläutert.

 

1991 wurde ein Gingko biloba Baum außerhalb des Gartens gepflanzt, 1994 die Pflanzenschilder erneuert.

 

Mit dem Garten besteht die Möglichkeit das wieder zu entdecken, was unsere Großmutter von der Heilkräuterkunde noch wusste und inzwischen in Vergessenheit geriet. Der Heilkräutergarten wurde und wird weiterhin von Vereinsmitglieder gepflegt und bearbeitet interessierte Mithelfer sind herzlich willkommen. Es macht Spaß in Gemeinschaft zu arbeiten und dabei die Heilpflanzen näher kennen zu lernen.